Auszeichnung: TOP 30 Vinotheken in Deutschland"

Auszeichnung: TOP 30 Vinotheken in Deutschland

Die Sache mit den Titeln ist ein bisschen erklärungsbedürftig. Der Mann heißt Frederik; so stellt er sich gern auch vor, denn der lockere Ton entspricht dem Publikum, dem er auf seinem Weingut begegnet: jung genug, sich noch an die Studienjahre zu erinnern, an das eine oder andere Festival, vielleicht auch die eine oder andere Demo. Inzwischen aber im Leben angekommen, reflektiert genug, Qualität von billigem Effekt zu unterscheiden. Und hinreichend erfolgreich, sich ein Leben nach eigenem Geschmack auch leisten zu können.

Man erkennt einander, man duzt sich ohne falsche Scheu – dabei ist Frederik ein echter Adeliger: Freiherr zu Knyphausen, nennt sich aber im alltäglichen Umgang auch Baron. Das geht international leichter von der Zunge; im Rang sind die Titel identisch. Frederik Baron Knyphausen also, Inhaber des gleichnamigen Weinguts in Eltville auf dem Südbalkon des Rheins. Ortkundige vergessen übrigens den Französischunterricht und sprechen das »e« am Ende des Ortsnamens mit – der Gutsherr hat eine Menge Geschichte im Gepäck.

Seit 1141 existiert das Gut, gegründet von Zisterziensermönchen des nahe gelegenen Klosters Eberbach. 1727 wurde das heutige Gutshaus erbaut, seit 1818 befindet es sich im Familienbesitz derer zu Knyphausen, die, nebenbei bemerkt, aus Ostfriesland kamen. Der Riesling aus dem Rheingau hatte schon immer eine weit reichende Anziehungskraft. Goethe war da, Clemens von Brentano, die Brüder Grimm, Thomas Mann. Der heutige Hausherr kehrte aus Hamburg zurück auf das Gut der Vorfahren. BWL-Studium, Arbeit in einer Privatbank, später in einem Unternehmen zuständig für Zukäufe und Übernahmen.

Und dann, 2015: Raus aus dem blauen Anzug und hinein in die Gummistiefel! Der Betrieb wartete nur darauf, mit Schwung auf den Weg in eine neue Zeit gebracht zu werden, zu einem gereiften Verständnis von Wein, Natur und Genuss. So vieles hatte sich geändert, seit der Vater die Produktionshalle schräg gegenüber dem Gutshaus hatte bauen lassen, um den alten Bauernhof ganz auf Weinbau umzustellen. Die Wiesbadener Architekten Florian Urbach und Alexander Falter halfen, die Flut an Ideen zu kanalisieren.

Hotel, Tagungszentrum, Musikfestival, eine Küche mit Ambition – über allem aber stand die Forderung des Bauherrn, die Geschichte des Ortes würdig zu bewahren. Die Halle wurde als Vinothek neu definiert; große Fenster in den Park, dezentes Holz. Industrielampen, wie der junge Baron sie in Hamburg erlebt hatte, ein bisschen Großstadt-Flair. Er selbst nennt die Ästhetik »rough«, was aber auch mit »gemütlich« übersetzt werden darf.

Nur Schluss mit der weinseligen Betulichkeit! Der Probierwein wird ausgegeben durch einen Automaten, Einwurf fünf Euro, dafür kredenzt er zehn Schlucke. Der Gast ist mündig genug, sich sein eigenes Bild zu machen. Stellen Sie sich vor, erläutert der Baron, Sie kaufen eine Jeans, und dauernd quatscht Ihnen der Verkäufer rein. Das würden Sie auch nicht mögen.